Hands making a contactless payment with a credit card on a wooden table.
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Kurzvergleiche

Acquirer und Zahlungsdienstleister: Wer bei Kartenzahlungen in der Schweiz was übernimmt

Im Vier-Parteien-Modell wirken Karteninhaberin oder Karteninhaber, Händler, ausstellende Bank (Issuer) und Acquirer-Bank (Händlerbank) mit.

Vier Rollen, ein Zahlungsvorgang: Wer im Kartenprozess mitwirkt

Im Vier-Parteien-Modell wirken Karteninhaberin oder Karteninhaber, Händler, ausstellende Bank (Issuer) und Acquirer-Bank (Händlerbank) mit. Issuer und Acquirer stehen auf unterschiedlichen Seiten der Transaktion: Der Issuer vertritt die Kundschaft, der Acquirer den Händler.

Mastercard und Visa stellen die Kartennetzwerke bereit, über die Transaktionen abgewickelt werden. Sie sind in der Regel keine Kartenaussteller.

Ein PSP (Payment Service Provider) ergänzt den Ablauf als technische Schnittstelle. Für Kartenzahlungen braucht der Händler eine passende Infrastruktur, etwa Terminal und Kassensystem, sowie Vereinbarungen für die Zahlungsabwicklung.

Der Weg des Geldes: Vom Terminal bis zur Gutschrift

Mit Ermächtigung des Händlers fordert der Acquirer den Betrag beim Issuer der eingesetzten Karte ein. Der Issuer autorisiert und prüft die Transaktion, unter anderem auf Geldwäscherei und Betrug.

Der Issuer gibt gegenüber dem Händler eine Zahlungsgarantie für den Kaufbetrag ab und überweist ihn über das Kreditkartennetzwerk, etwa Mastercard oder Visa, zuhanden des Acquirers beziehungsweise des Händlers. Dieser Schritt heisst Vorfinanzierung.

Der Acquirer stellt sicher, dass die Zahlung beim Händler ankommt. Er verarbeitet und leitet die Transaktion weiter und schreibt den Betrag dem Händlerkonto gut.

Der Zahlungsfluss: Vom Terminal bis zur Gutschrift

  1. TransaktionsanforderungHändler sendet Zahlung über Terminal oder Online-Gateway an den Acquirer
  2. Autorisation beim IssuerAcquirer fordert Betrag beim Issuer ein; Issuer prüft Bonität, Kreditlimit, Betrugsriskos
  3. Zahlungsgarantie und VorfinanzierungIssuer gibt Garantie und leitet Betrag über das Netzwerk (Visa/Mastercard) zum Acquirer
  4. Gutschrift an HändlerAcquirer verarbeitet Transaktion und schreibt Betrag auf Händlerkonto gut

Der Issuer: Karte, Bonität und Zahlungsgarantie

Der Issuer gibt die Kreditkarte auf vertraglicher Basis heraus und betreut die Karteninhaberin oder den Karteninhaber. Er verschafft Zugang zum weltweiten Zahlungssystem, prüft die Bonität, produziert und personalisiert die Karte und erneuert sie turnusgemäss.

Er führt das Kartenkonto, stellt monatlich Rechnung, autorisiert Transaktionen und rechnet Fremdwährungen ab. Auch den Kundendienst stellt der Issuer sicher.

Bei Betrug hält der Issuer Karteninhaber und Händler schadlos, sofern sie ihre Sorgfaltspflichten eingehalten oder eine Transaktionsart mit hohem Sicherheitsstandard gewählt haben.

In der Schweiz aktive Issuer sind insbesondere Cembra Money Bank AG, Cornèr Bank AG, PostFinance AG, Swisscard AECS GmbH, UBS Switzerland AG und Viseca Card Services SA. Ihre Kreditkarten basieren auf internationalen Netzwerken wie American Express, Diners Club, Mastercard oder Visa.

Über die Zahlungsfunktion hinaus bieten Issuer etwa Versicherungen, Bonusprogramme und Vergünstigungen an und führen Innovationen ein.

Der Acquirer: Händlerbank mit Kartenakzeptanzvertrag

Händler, die Kartenzahlungen akzeptieren, schliessen dafür einen Kartenakzeptanzvertrag mit einer Acquiring Bank ab. Der Acquirer verschafft ihnen Zugang zum Kartenzahlungssystem, betreut sie und prüft ihre Legitimität.

Der Acquirer organisiert die Terminalinfrastruktur oder stellt sie selbst bereit und bietet Kundendienst für den Händler. Er fordert mit dessen Ermächtigung die einzelnen Beträge beim Issuer ein und leitet die Transaktionen weiter.

Im Autorisierungsprozess kann eine bargeldlose Zahlung freigegeben oder abgelehnt werden, etwa abhängig von der Gültigkeit der Karte und dem vorgegebenen Kreditlimit. Der Acquirer vergütet dem Händler den Kaufpreis der bezahlten Ware oder Dienstleistung.

In der Schweiz sind Nexi Schweiz AG und Worldline / SIX Payment Services AG als Acquirer aktiv. Weitere genannte Acquirer sind Aduno SA, B+S Card Services AG, SIX Payment Services AG, Ingenico (ehemals Ogone) und Post Finance. Für Mitglieder des VSV bestand zudem eine Rahmenvereinbarung mit Concardis Schweiz AG.

Aktive Acquirer-Banken in der Schweiz

  1. Nexi Schweiz AGAktiv als Acquirer
  2. Worldline / SIX Payment Services AGAktiv als Acquirer und PSP (Saferpay)
  3. Aduno SAAktiv als Acquirer
  4. B+S Card Services AGAktiv als Acquirer
  5. PostFinanceAktiv als Acquirer

Zahlungsdienstleister: Technik, Integration und Schnittstelle

Ein PSP stellt die technische Verbindung zwischen Händler, Zahlungsmethoden und beteiligten Banken her. Dazu gehören je nach Einsatz Terminal und Kassensystem oder ein Online-Zahlungsgateway; der PSP leitet Transaktionen an den Acquirer weiter.

PSP-Beispiele in der Schweiz sind Payrexx, Datatrans/Planet, Worldline (Saferpay), Stripe, Adyen und Mollie. Worldline erscheint damit sowohl bei den Acquirern als auch bei den PSP-Beispielen.

PSP und Acquirer erfüllen unterschiedliche Funktionen, können aber beim selben Anbieter zusammenkommen. Ein Händler bindet die technische Infrastruktur und den Acquirer so ein, dass die Zahlungsabläufe zusammenspielen.

Wer macht was – und wo die Grenzen verschwimmen

Der Issuer vertritt die Kundenseite: Er gibt die Karte heraus, führt das Kartenkonto, prüft und autorisiert Transaktionen und gibt die Zahlungsgarantie. Der Acquirer vertritt die Händlerseite: Er schliesst den Akzeptanzvertrag, leitet Transaktionen weiter und sorgt für die Gutschrift. Der PSP stellt die technische Anbindung bereit.

Ein Anbieter kann mehrere Funktionen abdecken. Deshalb sind die Begriffe nicht immer trennscharf; Worldline wird beispielsweise sowohl als Acquirer als auch im Zusammenhang mit dem PSP Saferpay genannt.

Die ersten sechs bis acht Ziffern einer Zahlungskarte heissen Bank Identification Number (BIN). Sie identifizieren das ausstellende Finanzinstitut, das Kartennetzwerk und die Kartenstufe; Händler nutzen BIN-Daten zur Weiterleitung und Prüfung auf Betrugsrisiken.

Eine Merchant ID (MID) ordnet eingehende Transaktionen einem bestimmten Händler zu. Sie dient der Abwicklung und Nachverfolgung von Zahlungen.

Vergleich der Hauptfunktionen: Issuer vs. Acquirer vs. PSP

  • FunktionIssuer
  • VertragspartnerKunden (Karteninhaberinnen und -inhaber)
  • HauptaufgabeAusstellung von Karten, Bonitätsprüfung, Transaktionsautorisation, Zahlungsgarantie
  • Beispiele in der SchweizCembra Money Bank AG, PostFinance AG, UBS Switzerland AG, Viseca Card Services SA
  • FunktionAcquirer
  • VertragspartnerHändler
  • HauptaufgabeAkzeptanzvertrag, Transaktionsweiterleitung, Vorfinanzierung, Gutschrift an Händler
  • Beispiele in der SchweizNexi Schweiz AG, Worldline / SIX Payment Services AG, Aduno SA, B+S Card Services AG
  • FunktionPSP
  • VertragspartnerHändler
  • HauptaufgabeTechnische Anbindung, Integration von Zahlungsmethoden, Transaktionsweiterleitung
  • Beispiele in der SchweizPayrexx, Datatrans/Planet, Worldline (Saferpay), Stripe, Adyen, Mollie

Multi-Acquiring: Mehr als eine Händlerbank

Bei einer Multi-Acquiring-Strategie arbeiten Händler oder PSP gleichzeitig mit mehreren Acquirer-Banken zusammen. Damit können sie sich technisch, rechtlich und geschäftlich von einem einzelnen Anbieter unabhängiger machen.

Eine am 17. März 2026 veröffentlichte Angabe beziffert den Anteil der Händler, die mit nur einer Acquiring Bank arbeiten, auf 43 Prozent. Als ein Grund wird der hohe Aufwand für die Integration verschiedener Acquirer genannt.

Ein Lock-in-Effekt entsteht, wenn hohe Wechselkosten oder andere Barrieren den Wechsel zu einem anderen Anbieter erschweren. Weil Terminal, Kassensystem, PSP und Acquirer aufeinander abgestimmt sein müssen, kann der Wechsel der Acquiring Bank für Händler aufwändig werden.

In der Praxis bleiben Händler deshalb trotz hoher Gebühren mitunter bei einer Acquiring Bank. Mehrere Acquirer einzubinden kann die Abhängigkeit reduzieren, verursacht aber Integrationsaufwand.

Marktanteile und Strategien im Schweizer Kartenzahlungssektor

Anteil Händler mit nur einer Acquiring Bank
43 %
Hauptgrund für eingeschränkte Multi-Acquiring-Nutzung
Hoher Integrationsaufwand
Risiko bei Abhängigkeit von einem Anbieter
Lock-in-Effekt durch hohe Wechselkosten
Vorteil einer Multi-Acquiring-Strategie
Reduzierte technische, rechtliche und geschäftliche Abhängigkeit

Vorteile und Herausforderungen einer Multi-Acquiring-Strategie

  • VorteileReduzierte Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, bessere Verhandlungsposition, geringeres Risiko bei Ausfall oder Preissteigerung
  • NachteileHoher Integrationsaufwand, Komplexität bei Systemabstimmung, erhöhter Verwaltungsaufwand

Worauf Händler in der Schweiz achten sollten

Prüfen Sie sowohl den Kartenakzeptanzvertrag mit dem Acquirer als auch die Vereinbarung mit dem PSP. Vergleichen Sie Laufzeit, Kündigungsfristen, Gebühren und Leistungsumfang, bevor Sie die Zahlungsinfrastruktur beschaffen.

Terminal und Kassensystem müssen zum gewählten PSP passen. Klären Sie vor der Anschaffung, welche Geräte und Anbindungen unterstützt werden und ob sich später weitere Acquirer ergänzen lassen.

Der Acquirer verarbeitet und leitet Transaktionen weiter und schreibt die Kartenumsätze dem Händlerkonto gut. Damit ist er für die Auszahlung der Kartenumsätze zuständig.

Mehrere Acquirer können die technische, rechtliche und geschäftliche Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter verringern. Dem stehen der Integrationsaufwand und die nötige Abstimmung zwischen PSP, Terminal, Kassensystem und Acquirer gegenüber.

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