switzerland, flag, swiss, national, symbol
Foto von TheDigitalArtist auf Pixabay

Kategorien im Überblick

Zahlungsabwicklung Schweiz: Zahlungsarten, Sicherheit, Integration & Kosten

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat laut Nationalbankgesetz den Auftrag, bargeldlose Zahlungssysteme zu erleichtern und zu sichern.

Zahlungsverkehr in der Schweiz: Nationalbank und SIC

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat laut Nationalbankgesetz den Auftrag, bargeldlose Zahlungssysteme zu erleichtern und zu sichern. Als Systemmanagerin verantwortet sie das Schweizer Interbanken-Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC).

Die SNB betreibt SIC nicht selbst: Seit der Einführung des Systems 1987 ist die SIX Interbank Clearing AG in ihrem Auftrag für den Betrieb zuständig. Die SNB legt den Teilnehmerkreis und die Teilnahmevoraussetzungen fest, führt Konten, erlässt Abwicklungsregeln und steuert den Tagesablauf.

Zu den Aufgaben der SNB gehören auch die Bereitstellung von Liquidität und das Krisenmanagement. Zudem erbringt sie Bankdienstleistungen für den Bund und bundesnahe Betriebe; Artikel 5 Absatz 4 des Nationalbankgesetzes sieht diese Möglichkeit vor.

Zahlungen zwischen Banken in der Schweiz laufen über eine gemeinsame Infrastruktur mit festgelegten Regeln und Teilnahmebedingungen. SIC ist dabei das zentrale Schweizer Interbanken-Zahlungssystem.

Zahlungsmittel im Alltag: Bargeld und Debitkarte

In der SNB-Zahlungsmittelumfrage 2022 war Bargeld, gemessen am Besitz, das am weitesten verbreitete Zahlungsmittel. Die Debitkarte folgte knapp dahinter auf Platz zwei.

Bei rund 40 Prozent der Transaktionen bezahlt die Schweizer Bevölkerung mit einer Debit- oder Kreditkarte. Bargeldbesitz und Kartenanteil beziehen sich auf unterschiedliche Messgrössen.

Mit TWINT lässt sich per Smartphone online, in Apps, an der Kasse oder an Automaten bezahlen. Die App ermöglicht auch, in Echtzeit Geld zu senden oder anzufordern; Raiffeisen nennt Zahlungen in über 1'000 Online-Shops.

Visa, Mastercard und American Express sind Beispiele für Kreditkartenmarken. Bei Hotel- oder Mietwagenreservationen im Ausland wird häufig eine Kreditkarte benötigt.

Die QR-Rechnung ist seit Juni 2020 im Umlauf und hat am 1. Oktober 2022 die Schweizer Einzahlungsscheine endgültig abgelöst. Ihr Swiss QR Code enthält die Zahlungsinformationen, die zusätzlich in Klarschrift auf der Rechnung stehen.

Eine QR-Rechnung kann gedruckt oder digital ausgestellt werden. Nach dem Scannen lassen sich die Zahlungsdaten vor der Freigabe prüfen; der Zahlteil kann auch manuell erfasst, am Postschalter bezahlt oder als Zahlungsauftrag an die Bank geschickt werden.

Verbreitung von Zahlungsmitteln in der Schweiz (2022)

Bargeld
am weitesten verbreitet (Besitz)
Kartenanteil bei Transaktionen
ca. 40 %

Entwicklung der QR-Rechnung in der Schweiz

  • 2020Juni — Einführung der QR-Rechnung
  • 1. Oktober 2022 — Endgültiger Ersatz der Schweizer Einzahlungsscheine durch die QR-Rechnung

SEPA-Überweisungen: Euro-Zahlungen aus der Schweiz

SEPA steht für Single Euro Payments Area und bezeichnet den einheitlichen Euro-Zahlungsraum. Der gemeinsame Standard soll grenzüberschreitende Euro-Zahlungen ähnlich einfach wie Inlandszahlungen machen.

Zum SEPA-Raum gehören die EU- und EWR-Mitgliedstaaten sowie die Schweiz, Monaco, San Marino, Andorra und der Vatikanstaat. Die Schweiz nimmt teil, obwohl sie den Schweizer Franken und nicht den Euro verwendet.

Aus der Schweiz lassen sich Euro-Zahlungen in andere SEPA-Länder senden und empfangen, sofern die beteiligten Finanzinstitute am Verfahren teilnehmen. Für eine Überweisung braucht es die IBAN, den BIC, Euro als Zahlungswährung sowie den vollständigen Namen und die Adresse der begünstigten Person.

SEPA-Zahlungen treffen in der Regel innerhalb von einem bis maximal drei Bankwerktagen ein. Raiffeisen nennt für Zahlungseingänge europaweit einen Bankwerktag.

Für die Spesen gilt «Share» (SHA): Sender und Empfänger tragen die Gebühren bei ihren jeweiligen Finanzinstituten.

SEPA-Zahlungen: Ausland vs. Inland – Gebühren und Zeit

Spesenregelung
«Share» (SHA): Sender und Empfänger tragen jeweils die Gebühren bei ihrem Institut
Gebührenfreiheit
Nicht automatisch kostenlos, insbesondere in der Schweiz

Vorteile und Risiken von SEPA-Überweisungen

Vorteile
Einfache grenzüberschreitende Euro-Zahlungen, Wechselkursrisikovermeidung, schnelle Abwicklung innerhalb eines Bankwerktags
Risiken
Keine automatische Kostenfreiheit; Gebühren durch Teilnehmerbanken möglich; Fälschung von Zahlungsinformationen möglich

Ablauf einer SEPA-Überweisung aus der Schweiz

  1. Überweisung anfordernIBAN, BIC, Betrag in Euro, Name und Adresse des Empfängers angeben
  2. Prüfung der Teilnahme am SEPA-VerfahrenSystem erkennt automatisch, ob Empfängerbank am SEPA-Verfahren teilnimmt
  3. Spesenregelung festlegenStandard: «Share» (SHA), Sender und Empfänger tragen ihre eigenen Gebühren

Sicherheit bei E-Banking und digitalen Zahlungen

Beim Phishing versuchen Kriminelle mit gefälschten E-Mails oder SMS, Passwörter, Kreditkarteninformationen oder E-Banking-Zugänge zu stehlen. Sie geben sich oft als Banken oder Behörden aus und können auch die angezeigte Telefonnummer fälschen.

Typische Betrugsmuster sind unrealistisch hohe Renditen, angebliche Notlagen von Familienmitgliedern, dringende Zahlungsaufträge, falsche Rechnungen und Links sowie vermeintliche technische Probleme. Zeitdruck, Drohungen wie «Ihr Konto wird gesperrt», unpersönliche Anreden, Rechtschreibfehler und gefälschte Absenderdomains sind Warnsignale.

Aktivieren und nutzen Sie die Multifaktor-Authentifizierung. Beenden Sie unerwartete dringliche Anrufe und rufen Sie über eine offizielle Nummer zurück; gewähren Sie Unbekannten niemals Fernzugriff auf Ihren Computer.

Scannen Sie beim E-Banking-Login nur den QR-Code auf der Loginseite, nicht aus E-Mails oder Textnachrichten. Geben Sie die Adresse der Bank direkt im Browser ein, prüfen Sie die Domain und halten Sie Software und Geräte mit Updates aktuell.

Geben Sie ubs.com direkt in die Browser-Adresszeile ein und melden Sie verdächtige Transaktionen umgehend. Die Bank Avera fragt ihre Kundinnen und Kunden nie nach Zugangsdaten für E-Banking oder Mobile Banking und verschickt keine Links per SMS.

Sicherheitsmassnahmen beim E-Banking und digitalen Zahlungen

  • Multifaktor-Authentifizierung aktivieren
  • Unbekannte Anrufe nicht beantworten, sondern über offizielle Nummer zurückrufen
  • QR-Code nur auf der offiziellen Login-Seite scannen
  • Bankadresse direkt im Browser eingeben, Domain prüfen
  • Software und Geräte stets aktuell halten
  • Verdächtige Transaktionen sofort melden

Integration in E-Banking und Zahlungssoftware

Für eine SEPA-Überweisung erfasst die Zahlungssoftware Euro als Währung, IBAN und BIC, die Teilnahme der Empfängerbank, Name und Adresse der begünstigten Person sowie die Spesenregelung «Share» (SHA). Sobald die IBAN eingegeben ist, erkennt das Raiffeisen E-Banking automatisch, ob die Empfängerbank am SEPA-Verfahren teilnimmt.

Nach der Erfassung der Angaben wählen Unternehmen im E-Banking die Option «SEPA-Zahlung». Raiffeisen nennt automatisierte Zahlungsprozesse, Zahlungseingänge europaweit innerhalb eines Bankwerktags und einen günstigen Zahlungsweg ins Ausland als Vorteile.

SEPA ist ausschliesslich für Euro-Transaktionen vorgesehen. Bei Euro-Zahlungen lassen sich Wechselkursrisiken vermeiden.

Ein Payment Service Provider (PSP) kann Payment Gateway, Acquiring, Zahlungsabwicklung, Auszahlungen und Betrugsmanagement bündeln. So kann ein Händler elektronische Zahlungen über einen Vertrag akzeptieren, statt Verträge mit einzelnen Acquirern, Kartennetzwerken und Zahlungsanbietern abzuschliessen.

Als in der Schweiz aktive PSPs werden Payrexx, Datatrans, Worldline (Saferpay), Stripe und Mollie genannt; PostFinance Checkout wird ebenfalls aufgeführt. Für einen Vergleich zählen Preisstrategie wie Blended oder IC++, No-Code-Werkzeuge, API-Tiefe, POS-Unterstützung und die Abdeckung lokaler Zahlungsmethoden.

Für die Erstellung und Verarbeitung von QR-Rechnungen gelten die Swiss Payment Standards und die entsprechenden Guidelines von SIX. Sie richten sich an Rechnungssteller, Finanzinstitute, deren Dienstleister sowie Entwickler von Rechnungsstellungs-, Rechnungsempfänger- und Banken-Software.

Die Version 2.3 der Schweizer Implementation Guidelines QR-Rechnung gilt seit dem 22. November 2025. Die strukturierte Adresse im Swiss QR Code ist für November 2026 vorgesehen; Version 2.4 soll ab dem 14. November 2026 gelten.

Bei Raiffeisen lassen sich TWINT-Transaktionen mit dem Vereinspaket und der Vereinssoftware ClubDesk automatisch ins Buchhaltungsmodul importieren. TWINT ermöglicht Vereinen ausserdem, Erträge über einen QR-Code einzukassieren.

Gebühren und Spesen bei der Zahlungsabwicklung

SEPA-Zahlungen sind nicht automatisch kostenlos, insbesondere nicht in der Schweiz. Bei der Spesenregelung «Share» bezahlen Auftraggeber und Empfänger die Gebühren jeweils bei ihrem eigenen Finanzinstitut.

Drittbanken dürfen keine Gebühren vom Überweisungsbetrag abziehen. Die Empfängerbank erhält den vollen Betrag, kann aber eigene Gebühren für die Gutschrift erheben.

Ein Händlerkosten-Beispiel beziffert Kartengebühren auf 1,5 % bei Debitkarten- und 2,5 % bei Kreditkartenzahlungen. PSP unterscheiden sich unter anderem in ihrer Preisstrategie; die genannten Prozentsätze sind daher kein Anbieterpreisvergleich.

Raiffeisen TWINT ist für Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei. Dienstleistungen Dritter in der App können Gebühren verursachen; diese werden vor der Zahlung angezeigt oder vom Drittanbieter mitgeteilt.

Mehr aus Kategorien im Überblick